Die Mühlenstraße in Stralsund ist eine historische und malerische Straße in der Altstadt und verläuft vom Alten Markt (rechts) westwärts und über das Panorama hinaus in einem Bogen weiter südwärts. Die Mühlenstraße ist bekannt für ihre gut erhaltene mittelalterliche Architektur und ihren Charme. Die Altstädte von Stralsund und Wismar (beide Mecklenburg-Vorpommern) wurden 2002 als Städteensembles in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.
Giebelhäuser und Backsteingotik
Unsere Panorama-Ansicht beginnt beginnt rechts im Bild mit vier Gebäuden die noch am Alten Markt stehen.
An der Ecke zur Knieperstraße (rechts im Panorama) finden wir ein Gebäude das bei einem Umbau 1866 im Stile der Neurenaissance umgestaltet und um ein Geschoss erhöht wurde. Die Gebäudeecke ziert ein polygonaler Erker.
Es folgt links das Wuflamhaus mit der Adresse Alter Markt 5. Es wurde vor 1358 durch den späteren Bürgermeister Stralsunds Bertram Wulflam beauftragt – direkt gegenüber des Stralsunder Rathauses. Der prächtige, herausragende Bau zeigt sich mit für die norddeutsche Backsteingotik typischer Schaufassade und gilt als eines der am besten erhaltenen Wohnhäuser der Spätgotik im norddeutschen Raum. In seinem Inneren sind Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert erhalten geblieben. Zum Gebäude gehört zudem eine rückseitige Kemlade in Fachwerk-Bauweise.
Das Haus mit gelber Fassadengestaltung am Alten Markt 6 wurde ebenfalls durch die Gebrüder Wulflam 1357 in Backsteinbauweise errichtet. Um 1650 wurde es barock überformt und seit der letzten Sanierung 1998 ist hier die historische Ratsapotheke ansässig.
Fassaden entlang der Mühlenstraße
Das zweigeschossige Wohnhaus Mühlenstraße 1 zählt zu den ältesten erhaltenen Giebelhäusern Stralsunds. Es wurde bereits Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet und beeindruckt durch seinen viergeschossigen Pfeilergiebel – den ältesten seiner Art in der Backsteingotik, der weitgehend original erhalten blieb. Über Jahrhunderte, ab etwa 1700, beherbergte das Gebäude eine Bäckerei.
Direkt daneben steht das Giebelhaus Mühlenstraße 2, das um die Wende zum 15. Jahrhundert erbaut wurde. Sein heutiger Schweifgiebel entstand zwar bei einer Umformung um 1700, bewahrt jedoch mit kräftigen Pfeilervorlagen und spitzbogigen Luken die ursprüngliche gotische Gliederung.
Ein besonderes Highlight der Straße ist das sogenannte Dielenhaus in der Mühlenstraße 3. Das gotische Kaufmannshaus aus dem 14. Jahrhundert ist ein Prototyp des norddeutschen Handelshauses: Eine monumentale, offene Diele im Erdgeschoss ermöglichte es früher, Waren direkt per Lastenaufzug in die darüberliegenden Speicherräume zu ziehen. Heute dient das sorgfältig restaurierte Gebäude als standesamtlicher Trauort.
Das dreigeschossige Haus Mühlenstraße 6 stammt im Kern ebenfalls aus dem Mittelalter. Es erhielt seine markante Putzfassade mit Schweifgiebel und genuteten Ecklisenen bei einer Erneuerung Ende des 18. Jahrhunderts.
Einen klassizistischen Kontrast bildet die Mühlenstraße 7, die heute von der Musikschule Stralsund genutzt wird. Das zweigeschossige Traufenhaus wurde auf zwei Parzellen errichtet und erhielt seine heutige, durch fünf geschossübergreifende Halbsäulen gegliederte Fassade während einer Umgestaltung um 1860/1870. Im Inneren haben sich wertvolle Räume mit neobarocker Ausstattung erhalten.
Das Giebelhaus Mühlenstraße 8 verbirgt hinter seinem zweigeschossigen, geschweiften Dreiecksgiebel einen Kern aus dem 14. Jahrhundert. Ein besonderer Blickfang im genuteten Erdgeschoss ist das mittig gelegene Korbbogenportal mit einer kunstvoll geschnitzten Rokoko-Tür aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Den Abschluss dieses Straßenabschnitts an der Ecke zur Mönchstraße bildet die Mühlenstraße 9. Das im Kern mittelalterliche Gebäude wurde im 18. Jahrhundert erneuert und 1869 fassadenseitig verändert. Ein auf Konsolen ruhendes Traufgesims ziert das Haus, das sich durch seine abgewinkelte Bauweise harmonisch in die Kreuzung einfügt
Als Teil der historischen Altstadt von Stralsund ist die Mühlenstraße heute auch Touristenattraktion. Hier finden sich eine Vielzahl von gemütlichen Cafés, Restaurants und kleinen Geschäften. Besucher können hier lokale Spezialitäten probieren, Souvenirs kaufen und die entspannte Atmosphäre der Altstadt genießen. Die engen Kopfsteinpflasterstraßen, die gut erhaltenen Fassaden, die typische Hansearchitektur, das besondere historische Flair – beim Spaziergang durch Stralsund fühlt man sich leicht in vergangene Zeiten zurückversetzt.