Die Sternstraße gehört zu den ältesten und lebendigsten Geschäftsstraßen der Bonner Innenstadt. Sie verläuft als Teil der Fußgängerzone vom Marktplatz bis zum Friedensplatz und verbindet damit zwei der zentralen Orte des mittelalterlichen Stadtgefüges.
Name und Geschichte
Ihren heutigen Namen trägt die Straße erst seit 1761 – und auch dieser ist letztlich nur eine Kurzform. Ursprünglich hieß sie Pisternenstraße, abgeleitet vom lateinischen pistrina für Bäckerei. Die Straße war im Mittelalter tatsächlich die Straße der Bäcker, und dieser Bezug hat sich durch die Jahrhunderte erhalten: Am denkmalgeschützten Haus Nr. 40 halten noch heute zwei steinerne Löwen eine Brezel in den Pranken – ein Verweis auf den alten Straßennamen und auf das Bonner Stadtwappen zugleich. Die Kurzform „Sternstraße“ taucht in Quellen übrigens bereits seit 1393 auf, bevor sie 1761 offiziell wurde.
Ein verbreitetes Missverständnis verdient hier eine Klarstellung: Die Sternstraße hat ihren Namen nicht vom Sterntor erhalten – es verhält sich genau umgekehrt. Das Stadttor am westlichen Ende der Straße hieß im Mittelalter Pisternentor oder Sternentor – also schlicht das Tor der Pisternenstraße. Es war eines der vier Haupttore der mittelalterlichen Stadtbefestigung, die nach Verleihung der Stadtrechte ab 1244 errichtet wurde, und sicherte den Zugang zur Stadt von Westen. 1898 wurde das Tor aus verkehrstechnischen Gründen an seinem ursprünglichen Standort am Übergang zur heutigen Vivatsgasse abgerissen; zwei Jahre später entstand in einigen Metern Abstand ein Ersatzbauwerk, das Teile der alten Stadtmauer und einen mittelalterlichen Halbturm einbezog. Der Grundriss des originalen Tores ist heute noch als dunkles Pflastermuster im Straßenbelag ablesbar.
Baugeschichte und Fassaden
Über die frühe Bebauung der Sternstraße lässt sich wenig mit Sicherheit sagen – die ältesten Stadtansichten, die Rückschlüsse erlauben, stammen erst aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert. Sie zeigen schmale, ein- bis zweigeschossige giebelständige Häuser auf engen Parzellen. Charakteristisch für die Nordseite: Die Grundstücke reichten ursprünglich mit großen Gartenflächen bis zur heutigen Friedrichstraße.
Diese frühe Bebauung wurde in den Wirren des Pfälzischen Erbfolgekriegs 1689 weitgehend vernichtet. Alliierte Truppen beschossen Bonn vom rechten Rheinufer aus, wobei ausbrechende Brände die Stadt fast vollständig zerstörten. Der anschließende Wiederaufbau erfolgte unter Beibehaltung der alten Parzellenstruktur – und so entstanden jene schmalen giebelständigen Häuser, die das Bild der Sternstraße bis heute prägen.
Die folgenden Jahrhunderte hinterließen weitere Spuren an den Fassaden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Erdgeschosszonen vieler Häuser im Stil des Spätklassizismus umgestaltet: Symmetrisch angelegte Schaufenster ersetzten die alten Lochfassaden, manche Gebäude wurden aufgestockt oder erhielten einen rechteckigen Blendgiebel. Eine zweite Überformungswelle folgte um 1900, als die Fassaden mit Stuckdekor im Geschmack des Historismus versehen wurden. Einige der größeren Gebäude in Marktnähe tragen noch heute Jugendstilfassaden; weiter westlich dominieren schmalere Häuser mit drei Stockwerken und Breiten von oft nur vier bis sechs Metern.
Die heutigen Hausnummern stammen übrigens aus französischer Zeit: Erst die Besatzung von 1794 bis 1814 führte die bis heute gültige numerische Hausbezeichnung ein.
Einzelne Gebäude
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Haus Nr. 40, dessen Fassade die zwei bretzelhaltenden Löwen zieren – das meistfotografierte Detail der Straße und ein stiller Kommentar zur Geschichte ihres Namens.
Gleich nebenan, am Haus Nr. 42, befindet sich das wohl klanglich bekannteste Element der Sternstraße: ein Glockenspiel, das täglich um 12, 15 und 18 Uhr erklingt. Angebracht wurde es 1949 vom damaligen Juwelier Werner Schmidt – ohne Baugenehmigung, aber mit großem Erfolg. In der von Kriegsschäden gezeichneten Stadt wollte er schlicht etwas Schönes schaffen. Zur Einweihung soll die gesamte Straße voller Menschen gewesen sein; heute ist das Glockenspielhaus eines der bekanntesten Wahrzeichen der Bonner Innenstadt.
Das Haus Nr. 14 – ursprünglich seit 1393 als „Zum goldenen Ring“ belegt – diente 1583 und 1584 als Quartier truchsässischer Soldaten, ein Zeugnis der militärischen Durchzüge, die Bonn im 16. und 17. Jahrhundert regelmäßig heimsuchten. Das Haus Nr. 54 schließlich, der „Gasthof zum Schwanen“, ist seit 1589 belegt, wurde 1689 zerstört und 1719 wiederaufgebaut – ein greifbares Einzelzeugnis der Stadtkatastrophe von 1689.
Ausgewählte Gebäude der Nordseite (Nr. 2–54)
| Nr. | Historischer Name | Ersterwähnung |
|---|---|---|
| 2 | „Zum Bärenschmidt“ | 1585 |
| 4 | „Im Paradies“ (ab 1740) | 1667 |
| 6 | „Zum schwarzen Raben“ | 1620 |
| 8 | „Zum goldenen Sattel“ | 1620 |
| 14 | „Zum goldenen Ring“ | 1393 |
| 16 | „Zum Schwanen“ / „Zur Gans“ (ab 1769) | 1615 |
| 18 | „Zum Josef“ (19. Jh.) | 1739 |
| 24 | „Zum St. Crispin“ | 1667 |
| 34 | „Zum Nußbaum“ | um 1450 |
| 38 | „Zum roten Löffel“ (ab 1717) | 1619 |
| 40 | (Brezel-Haus, denkmalgeschützt) | – |
| 42 | (Glockenspielhaus) | – |
| 46 | „Zum alten Wolf“ | 1610 |
| 48 | „Zum wilden Mann“ | 1620 |
| 50 | „Zur Stadt Rheinbach“ | 1620 |
| 54 | „Gasthof zum Schwanen“ | 1589 |
Die Jahresdaten bezeichnen die urkundliche Ersterwähnung der jeweiligen Gebäude – nicht das Baudatum der heute sichtbaren Häuser, die nach der Zerstörung 1689 überwiegend im frühen 18. Jahrhundert neu errichtet wurden
Unsere Aufnahme lässt sich auf die komplette Länge erweitern. Den links abschließenden Teil finden Sie unter den Detailbildern im Bearbeitungszustand.
Zum Aufnahmezeitpunkt 2020 finden sich u.a. folgende Geschäfte in den Häusern (von links nach rechts): Sternpassage, Bose, Rossman, shoe box, Swarovsky, Juwelier Schulz, Jack&Jones, Juwelier Kersting, Sons, Hallhuber, Dancker der Optiker, Deichmann, pimkie, mango, ONLY, Yves Rocher, LUSH, mobilcom debitel, Game Stop und Bertelt Lotto Toto.