Marktgasse Bern | Nordseite (Nr. 2 – 60)
Die Marktgasse bildet das pulsierende Herzstück der Berner Altstadt und ist als zentrales Teilstück der oberen Zähringerstadt ein wesentlicher Bestandteil des UNESCO-Welterbes. Das hier gezeigte Streetline-Panorama der Nordseite umfasst die komplette Häuserzeile von der Nummer 2 (rechts am Übergang zum Kornhausplatz/Zytglogge) bis zur Nummer 60 (links am Übergang zum Waisenhausplatz/Käfigturm).
Urbaner Kontext und Geschichte
Die Gasse verbindet die beiden markanten Stadttürme Berns: den berühmten Zytglogge (Zeitglockenturm) im Osten und den Käfigturm im Westen. Sie ist ein Paradebeispiel für mittelalterliche Stadtplanung, die ihre Struktur über Jahrhunderte bewahrt hat und bis heute lebendig geblieben ist. Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1405 wurde Bern fast vollständig aus Stein neu aufgebaut. Das heute sichtbare, geschlossene Stadtbild besticht durch seine einheitliche Verwendung des grünlichen Berner Sandsteins, der der Marktgasse ihren majestätischen und harmonischen Charakter verleiht.
Architekturmerkmale der Nordseite
Die Fassadenfront der geraden Hausnummern 2 bis 60 zeigt die typische vertikale Gliederung der Berner „Riemenparzellen“. Besonders charakteristisch für diesen Straßenraum sind:
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Die Berner Arkaden (Lauben): Das markanteste Merkmal sind die durchgehenden Bogengänge im Erdgeschoss. Diese insgesamt sechs Kilometer langen Arkaden bilden eine wettergeschützte Einkaufspromenade. Ursprünglich als Lager- und Verkaufsflächen konzipiert, beherbergen sie heute moderne Boutiquen und Gastronomie, ohne das mittelalterliche Erscheinungsbild zu stören.
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Die Kellerabgänge: Einzigartig im Straßenbild sind die markanten, schrägen Holztüren im Boden direkt unter den Arkaden. Diese führten früher in die tiefen Vorratskeller der Patrizierhäuser. Heute verbergen sich hinter diesen Klappen oft Ateliers, Bars oder kleine Ladenlokale, die die gewerbliche Nutzung auf eine zweite, unterirdische Ebene erweitern.
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Figurenbrunnen der Renaissance: Das Panorama wird durch zwei prächtige Brunnen aus dem 16. Jahrhundert rhythmisiert. Der Schützenbrunnen (rechte Bildhälfte) zeigt einen geharnischten Bannerträger als Symbol der städtischen Wehrhaftigkeit, während der Anna-Seiler-Brunnen (links vor Nr. 60) die Gründerin des ersten Berner Spitals ehrt und für die soziale Tradition der Stadt steht.
Der öffentliche Raum
Die Marktgasse fungiert als eine der belebtesten Achsen der Stadt. Eine Besonderheit im Verkehrsraum ist das Fehlen klassischer Trottoirs in der Mitte der Gasse; der Raum wird als weite, ebene Fläche gemeinsam von Passanten und den charakteristischen roten Berner Trams genutzt. Dieses Zusammenspiel aus moderner Mobilität und historischer Substanz macht den besonderen Reiz dieser Welterbestätte aus.
Architektur-Details
Als UNESCO Welterbestätte ist die Architektur der Berner Altstadt sehr ausführlich dokumentiert. Sehr gut recherchierbar ist dies im Bauinventar der Stadt Bern. Dort lässt sich zu jedem einzelnen Gebäude ein detailliertes Dossier abrufen. Wir haben einige Highlights herausgesucht und entlang der Fassadenfront von rechts nach links zitiert:
Nr. 4 – Das ehemalige Zunfthaus zu Zimmerleuten ist eine späthistoristisch-romantisierende Interpretation eines spätgotischen Repräsentativbaus, gepaart mit der Grosszügigkeit und Solidität einer Baumeisterarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts. Die Funktion als Zunfthaus kommt besonders im kongenialen siebenteiligen Staffelfenster des zweiten Obergeschosses zum Ausdruck, welches die Funktion des Zunftsaales emblematisch ins Gassenbild trägt.
Nr. 10 – Mit seiner riesigen Wappenkartusche (it Zunftwappen und bekrönender bildlicher Darstellung des Schmiedehandwerks) und den expressiv anmutenden Verdachungen der Fenster im 1. und 2. Obergeschoss ist das von Joss & Klauser kurz vor dem Ersten Weltkrieg realisierte Geschäftshaus ein typischer Vertreter der Werkbundarchitektur.
Nr. 14 – Das Gebäude hat mit seiner biedermeierlichen Bescheidenheit beruhigende Wirkung auf das Gassenbild.
Nr. 22 – Aus der Zeit um 1520/30 stammen die zwei unterschiedlich hohen Stichbogenlauben mit karniesförmigem Profil und Strebepfeilern. Sie sind laut Paul Hofer der älteste sichtbare Baubestand an der Marktgasse. (…) An der Fassade eine der ältesten erhaltenen Leuchtschriften Berns (‚Elektrizität‘).
Nr. 32 – Mit dem Geschäftshaus Marktgasse 32 hat Eduard Joos 1912 ein kleineres, unauffälligeres Gegenüber zu seinem Kaiserhaus (Marktgasse 37) geschaffen. Die erhaltene Hauptfassade dieses Gebäudes vereint eine neubarocke Gliederung mit einer hervorragenden Spätjugendstil-Bauplastik zu einem die Opulenz der Belle Epoque atmenden Ganzen.
Nr. 40 – Die Fassade des Gebäudes vereint klassische Strenge in der Organisation der Geschosse und Achsen mit spielerischer Opulenz und Motiven, die dem überwiegend französischen Einfluss des Berner Spätbarocks einige ungewöhnliche, deutsch anmutende Elemente hinzufügen.
Nr. 60 – Das Haus erinnert mit seinem auffallend langen und schmalen Grundriss an die Parzellierung der Savoyervorstadt und ist aufgrund seiner Ecklage unmittelbar am Käfigturm von hoher städtebaulichem Wert. Der Neubau von 1864 – im Prinzip ein rational organisiertes Wohn- und Geschäftshaus – war einer der ersten Berner Neubarockbauten mit unverkennbaren Anleihen bei lokalen Vorbildern.
Quelle: Für weitere Details und Infos besucht bitte das Berner Bauinventar.
Anmerkung: Unser Streetline-Panorama hier ist aktuell nur in dieser „Kachel-Version“ aus Einzelfotos bearbeitet. Eine nahtlos verarbeitete finale Variante kann mit entsprechendem zeitlichen Aufwand realisiert werden.