Die Hauptfassade des Humboldt-Gymnasiums in Leipzig
Im Leipziger Ortsteil Reudnitz-Thonberg, in der Möbiusstraße 8, liegt das heutige Humboldt-Gymnasium – ein Schulbau der Jahrhundertwende, dessen Fassade einen ungewöhnlichen Bezug zur Leipziger Innenstadt in sich trägt.
Baugeschichte
1908 begann der Bau des Schulgebäudes, das am 5. April 1910 eingeweiht wurde. Entwurf und Bauleitung lagen in den Händen von Stadtbaurat Otto Wilhelm Scharenberg und Ratsarchitekt Czapek. Errichtet wurde es ursprünglich für die V. Realschule bzw. Lessing-Schule; erst 1935 zog die heutige Humboldtschule hier ein und gab dem Gebäude ihren Namen.
Fassade und Städtische Fleischbänke
Die symmetrisch gegliederte Straßenfassade wird von vier Risaliten mit geschwungenen Renaissance-Schweifgiebeln geprägt – zwei Eckrisalite, ein Mittelrisalit über dem rundbogigen Hauptportal und ein weiterer, etwas zurückgesetzter Giebel. Helle Putzflächen kontrastieren mit rotem Sandstein an Sockel, Fensterrahmungen und Giebeleinfassungen.
Diese Giebel sind kein freier Entwurf, sondern ein bewusstes Zitat: Scharenberg und Czapek bildeten sie nach dem Vorbild der Renaissance-Fleischbänke in der Leipziger Reichsstraße 3/5 nach, die 1578 nach einem Entwurf des Baumeisters Paul Widemann errichtet worden waren. Genau zur Bauzeit der Schule mussten die Fleischbänke dem Neubau des innerstädtischen Messehauses Handelshof weichen. Dabei wurde nicht nur die Form der alten Giebel übernommen, sondern auch tatsächliches Abbruchmaterial in den neuen Schulgiebeln wiederverwendet – ein Stück Leipziger Innenstadt, das am Schulbau im Osten weiterlebt.
Die Schule heute
Die Humboldtschule ist heute ein Gymnasium der Stadt Leipzig und steht unter kommunaler Trägerschaft. Sie bietet ein naturwissenschaftliches, ein gesellschaftswissenschaftliches sowie ein künstlerisches Profil an. Rund 950 Schüler (mwd) besuchen die Einrichtung, die sich heute über zwei Gebäude erstreckt. Das Schulgebäude an der Möbiusstraße, einschließlich Vorgarten, Einfriedung und Schulhof, steht als Ensemble unter Denkmalschutz. Weitere Infos unter Wikipedia.