Baugeschichte der Globuswerke
Die Globuswerke im Leipziger Stadtteil Plagwitz wurden 1897 als Produktionsstätte für Putz- und Pflegemittel durch den Unternehmer Fritz Schulz jun. errichtet. Der Fabrikkomplex wurde 1905 und 1910 erweitert und erhielt im Laufe der Zeit sein charakteristisches Erscheinungsbild mit gelbem Klinkermauerwerk, großen Rundbogenfenstern und plastisch gegliederten Fassaden. Besonders markant ist der Eingangsbereich an der Limburgerstraße 30 mit der monumentalen Atlasfigur, die einen Globus trägt und dem Werk seinen Namen verlieh. Die Gebäude waren für ihre Zeit technisch fortschrittlich: Mit Eisenbetonrippendecken und großzügiger Belichtung boten sie moderne Produktionsbedingungen und zugleich eine repräsentative Industriearchitektur der Leipziger Gründerzeit.
Unternehmens- und Industriegeschichte
Die Unternehmensgeschichte der Globuswerke ist eng mit der Entwicklung der Leipziger Industrie und der Industriellenfamilie Schulz/Philipp verbunden. Aus den Vereinigten Neuburger Kreidewerken Schulz & Philipp in Bayern, gegründet 1893, ging 1897 das Werk in Plagwitz hervor, in welchem die geförderte Kieselkreide in verschiedensten Reinigungs- und Pflegemitteln verarbeitet wurde. Um 1900 florierte der Betrieb und es wird die Fritz Schulz jun. AG mit Tochtergesellschaften in London und New York gegründet. Produkte wie der „Globus-Putzextrakt“, „Globus-Lederfett“ oder das Bohnerwachs „Globella“ fanden deutschlandweit Absatz, ebenso Insektenmittel wie Mottenkugeln. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg gehörte die Familie Philipp bald zu den erfolgreichsten Unternehmerfamilien Leipzigs. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Produktionsstätten stark beschädigt, die Familie verließ 1944 Leipzig und siedelte nach Bayern über.
Nach Kriegsende wird der Betrieb in der DDR zum VEB Globus-Werke Leipzig, später bekannt als Autopflegemittelwerk Leipzig. Neben Autopflegemitteln wie „Karipol“ produzierte man hier bekannte Reinigungsprodukte wie „Elsterglanz“ oder „Klarofix“. Nach der politischen Wende kam es zur Privatisierung und 1995 zur endgültigen Stilllegung der Produktion. Die Gebäude verfielen, Teile des Inventars blieben zurück. Erst mit der städtebaulichen Erneuerung von Plagwitz im neuen Jahrtausend rückte das Ensemble wieder in den Fokus. Nach Jahren des Leerstands und provisorischer Nutzungen wurde der Komplex schließlich von der LEWO-Unternehmensgruppe übernommen und ab 2015 umfassend saniert. Heute beherbergen die denkmalgeschützten Globuswerke 62 Wohnungen sowie fünf Büro- und Ateliereinheiten – ein Beispiel für den erfolgreichen Wandel Leipziger Industriebauten vom Produktionsort zur hochwertigen Wohnadresse.
Unsere Streetline-Ansicht der Globuswerke entstand als Beitrag für unsere Ausstellung zum Sächsischen Jahr der Industriekultur.